„MOOSgeschichten“ – demnächst im Kino….

26. Mai 2009 at 7:22 pm (1, Filmkritiken) (, , , , )

 

„MOOSgeschichten“

Ohne Moos nichts los? Nein dieser Spruch ist hier völlig falsch am Platz. Erzählt wird hier die Geschichte einer einzigartigen Landschaft – das Naturschutzgebiet „Schwenninger Moos“. Eines der letzten verbliebenen Hochmoore in Deutschland. In Personalunion von der Idee, der Recherchen, der Bildgestaltung und dem Schnitt von Klaus Peter Karger.

Goldene Nebel wallen im Licht der aufgehenden Sonne. Abgestorbene Bäume ragen aus dunklem Moorwasser. Märchenhafte Moosteppiche bedecken den Boden. In stoischer Ruhe spähen Reiher nach Beute aus.

Das Schwenninger Moos ist ein Naturschutzgebiet von urzeitlicher Schönheit. Hier hat der Neckar, der Landesfluss von Baden-Württemberg, seinen wilden Ursprung, bevor er 367 Kilometer nordwestlich, begradigt und schiffbar gemacht, in den Rhein mündet.

„Moosgeschichten“ lässt Menschen zu Wort kommen, die auf besondere Weise mit diesem Ursprungsgebiet verbunden sind:  die Tanzpädagogin, die sich vom Rhythmus der Natur bei ihren Choreografien inspirieren lässt. Den Künstler, der Ursprung und Mündung des Neckars in einer Performance verbindet. Den Naturliebhaber und -forscher. Die Amateurfotografin, die ihre ganze Wohnung mit Moosbildern geschmückt hat. Den Jogger, der hier regelmäßig Kraft schöpft.

Der Film erzählt auch über die Entwicklungsgeschichte dieses Moorgebiets, seine Tier- und artenreiche Pflanzenwelt, die Beschädigung durch den Torfabbau für die Salinen und die Aktivitäten im Naturschutz heute. Die Renaturierung des Schwenninger Moos gilt als Erfolgsprojekt im Naturschutz des Landes Baden-Württemberg.

Den Anstoß zu diesem Filmprojekt gab eine Begegnung am “Tag der Schöpfung” der Kirchen im Jahr 2006. “Ich hatte mich allerdings schon lange zuvor mit dem Schwenninger Moos beschäftigt”, sagt Regisseur Klaus Peter Karger, “denn ich lebe ja seit 1974 in Villingen-Schwenningen, und hatte damals schon das Moos für mich entdeckt. Zunächst als Fotograf, der oft und gerne mitten in der Nacht dorthin aufbrach, um die Morgenstimmung mit der Kamera festzuhalten. Beim “Tag der Schöpfung” erzählte mir dann bei einer Führung eine andere Teilnehmerin, sie sei direkt am Schwenninger Moos aufgewachsen, und als Kind hätte man ihr immer gedroht, man bringt sie ins Moorgebiet, wenn sie nicht artig ist, und sie wird dann nie mehr herausfinden. Diese negative Kindheitserinnerung hat sich bei der Frau heute in eine vollkommen positive Haltung gegenüber dem Moos gewandelt – das fand ich eine Geschichte, die ich erzählen wollte. Ich wollte einen Film machen, der zugleich informativ und unterhaltsam ist, und eine der Geschichten ist sogar richtig anrührend.”

Archivrecherchen ergaben, dass es bisher keinen umfassenden Dokumentarfilm über das Naturschutzgebiet Schwenninger Moos gibt. Es kommt zwar in verschiedenen Produktionen des SWR-Fernsehens vor, aber meist nur kurz als Ausgang für eine “Neckar-Reise”, oder als Thema eines Drei-Minuten-Beitrags über die Renaturierung des Gebiets in der “Landesschau“. Diese wird ja als Vorzeigeprojekt im Baden-Württembergischen Naturschutz gehandelt. Karger hat dann mit Recherchen übers Moos begonnen, in Bibliotheken und Archiven. “Und ich habe eine Postkarte drucken lassen und in Geschäften in Villingen-Schwenningen ausgelegt, mit der Leute gesucht wurden, die eine “Moosgeschichte” zu erzählen haben. Denn ich wollte keinen rein naturwissenschaftlicher Film machen, sondern Geschichten erzählen, die auch etwas über die Beziehung der Menschen hier zu ihrem Schwenninger Moos aussagen. Es gab auch eine entsprechende Suchanzeige in den Lokalzeitungen. Darauf haben sich vereinzelt Personen gemeldet.”

“Moosgeschichten” hat zwei Ebenen, die miteinander verwoben sind. Die eine ist das Naturwissenschaftliche, die Entstehungsgeschichte des Moorgebiets, dann seine Beschädigung durch den Torfabbau seit dem 18. Jahrhundert und bis in die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, und die Renaturierung, mit der in den achtziger Jahren begonnen wurde.

Bei den Dreharbeiten wurde deutlich, dass viele Leute zum Beispiel über den Torfabbau überhaupt nichts wissen. Der wiederum eng im Zusammenhang steht mit der Geschichte der württembergischen und badischen Salinen in Schwenningen, Rottweil und Bad Dürrheim, denn der im Moos gestochene Torf ist im Wesentlichen unter den Siedepfannen dieser Salinen verfeuert worden. “Also erzählen wir auch diese Geschichte”, sagt Karger, “um sie ins Bewusstsein zu rufen.”

Ein Film aus einem Guss. Der einmal etwas andere Dokumentarfilm – erzählt als Heimatfilm. Überzeugend, beeindruckend. Nach dem Film möchte man am liebsten die Ärmel hochkrempeln und mithelfen diese einmalige Landschaft zu erhalten. Man spürt, dass dies ein Film ist der mit Herzblut gemacht wurde. Da muss doch etwas dran sein, dass mir der Film so gut gefallen hat. Ich wohne in der Schwenninger Strasse.

Zu sehen, demnächst in einem Kino ganz in Ihrer Nähe.

A.G.Wells

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